Musik / CD

Stone Temple Pilots: Stone Temple PilotsDas Trauma hat einen Namen

Die Stone Temple Pilots und ihre Sänger - es ist eine komplizierte, tragische Geschichte. Mit Gründungsmitglied Scott Weiland stiegen die Kalifornier in den 90er-Jahren zunächst zu einer festen Größe in der Grunge-Szene auf. Sie eroberten mit "Purple" 1994 die Spitze der US-Charts und gewannen im selben Jahr einen Grammy. Gleichzeitig belastete Weiland die Band über Jahre schwer. Die Gruppe litt unter seinen Drogeneskapaden, es kam zu bandinternen Klagen, Prügeleien und einer zwischenzeitlichen Auflösung, ehe Weiland 2013 offiziell gefeuert wurde. Chester Bennington von Linkin Park stieg kurz danach ein, nahm mit den Stone Temple Pilots eine EP auf, stieg dann wieder aus. 2015 starb Scott Weiland mutmaßlich an den Folgen seiner Drogensucht. Bennington erhängte sich im vergangenen Jahr. Kurz zuvor hatten die Stone Temple Pilots bereits die Suche nach einem neuen Sänger aufgenommen, der nun auf dem neuen Album zu hören ist. Es heißt, genau wie das letzte Album mit Weiland (2010), schlicht "Stone Temple Pilots".

Jeff Gutt ist der neue Mann am Mikrofon. Er hat mal in einer Nu-Metal-Band gespielt, wurde aber vor allem durch seine zweimalige Teilnahme an der US-Castingshow "The X Factor" bekannt. Auch seinen Job bei den Stone Temple Pilots ergatterte er über ein klasssisches Casting - die Betonung liegt auf "Job".

Die Stone Temple Pilots und ihre Sänger - das sollte nie ein Abhängigkeitsverhältnis sein. Mit dem Rausschmiss des charismatischen Frontmanns Weiland und der erneuten Sängersuche nach Benningtons Ausstieg signalisierten die DeLeo-Brüder Dean (Gitarre), Robert (Bass) und Eric Kretz (Schlagzeug) wiederholt, dass die Band nicht von einem einzelnen Sänger abhängt. Tatsächlich spukt Scott Weiland aber noch heute gewaltig in der Musik der Stone Temple Pilots herum: Jeff Gutt wurde sicher nicht nur ausgewählt, weil er mit Ray-Ban-Sonnenbrille gut aussieht, sondern weil er Weiland nahezu perfekt imitiert. Dass die Stone Temple Pilots heute noch exakt so klingen wie vor 20 Jahren, mag manchen Fan erfreuen, es hat aber auch etwas Befremdliches.

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Ein Neuanfang klingt jedenfalls anders, und mit Ambitionen und Authentizität hat das, was man auf "Stone Temple Pilots" hört, nichts zu tun. Bennington hatte bei seinem Gastspiel auch schon versucht, Weilands Stil zu adaptieren, er blieb dabei aber doch ein eigenständiger Sänger mit Persönlichkeit. Gutt hingegen, der wahrscheinlich immer von einer Band wie den Stone Temple Pilots geträumt hat, ist auf diesem neuen Album nichts weiter als ein Handlanger.

Aber nicht nur hinsichtlich des Gesangs, auch musikalisch wirkt die Band wie hängengeblieben in der Zeit, als alles noch weitgehend okay war - als es noch irgendwie ging mit Weiland. Vom lebhaften Opener "Middle Of Nowhere" über den sonnendurchfluteten Easy-Going-Rock in "Meadow" bis zu einem Schmachtstück wie "Thought She'd Be Mine" hätten all diese Trademark-Sound-Nummern genau so auch schon auf eines der Alben um die Jahrtausendwende gepasst.

Diese neue Platte hat eigentlich alles, ist über weite Strecken aber doch eine Illusion, und Weiland ist endgültig zum Trauma geworden. Ein neuer Song heißt "The Art Of Letting Go", worüber man einen Moment lang fast lachen möchte. Die Stone Temple Pilots und ihr neuer Sänger - das ist nur eine unbeseelte Zombie-Version der Band, die früher einmal eine wirklich große Nummer war.

John Fasnaugh

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelStone Temple Pilots
Bandname/InterpretStone Temple Pilots
Erhältlich ab16.03.2018
LabelRhino
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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